Das Gute an Fehlern

von: Elmar Geese | am: 17.01.2010 | Kommentare: 0

In unregelmäßigen Abständen veröffentliche ich in meinem Blog Artikel zum Thema Unternehmensstrategie.

Es gibt einen banalen Vorteil von Fehlern: sie sind gut wenn Andere sie machen. Es gibt aber auch weitere Vorteile, man kann aus den eignen Fehlern und denen anderer lernen. Das klingt auch banal, verschafft jedoch, wenn in der Strategie eines Unternehmens verankert, diesem große Vorteile.

Garri Kasparow
hat einmal die Ursache dafür erklärt, wie er 20 Jahre auf Weltspitzenniveau Schach spielen konnte. Weil er immer davon ausging, das Fehler gemacht wurden, auch beim Gewinner. Dies war überdurchschnittlich oft Kasparow, der seine Schwächen vor dem Gegner fand.

Im Unternehmen muss zunächst einmal der Begriff: “Fehler” aus der negativen Rückkopplung zu denen, die ihn gemacht haben (oder nicht verhindern konnten) gelöst werden. Fehler sind nicht grundsätzlich vermeidbar. Man kann die Fehlerquote senken, und die schädlichen Auswirkungen begrenzen. In diesem Prozess werden Fehler auch produktiv nutzbar.

Die erste zwingende Vorrausetzung für die Nutzung von Fehlern ist sie zu erkennen. Die zweite deren zeitnahe und sachliche Analyse: Beschaffung von Daten und Meinungen, Kenntnis über Kontext und Auswirkungen. Schließlich und vor Allem muss es im sozialen Kontext des Unternehmens möglich sein über eigene Fehler und die anderer entspannt und produktiv zu diskutieren. Ziel der Erkenntnis ist nicht Wissen zu Schuldigen sondern Wissen zur kompensierenden Aktion.

Häufig wird dabei im positiven Sinne “überkompensiert”. Dann hilft ein Fehler nicht nur weitere, ggf. gravierendere Fehler zu vermeiden. Er forciert zudem Handlungsoptionen, die ohne den Kontext einer Fehlerdiskussion nicht auf die Agenda gekommen wären.

Die Fehlerdiskussion ist eingebettet in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Diesen Prozess kann man sich wie einen Dienst vorstellen, der im Projekt und Unternehmenskontext Fehler und Verbesserungspotentiale registriert, einer anlassgemäßen Bearbeitung zuführt.

Deja Vu : Softwarepatente

von: Elmar Geese | am: 10.01.2010 | Kommentare: 0

Ich weiss gar nicht wie lange es schon her ist, das ich mich zum ersten Mal mit Softwarepatenten befasst habe. Ich kann mich noch deutlich an Demos am Rande des Linuxtages erinnern, als dieser noch in Karlsruhe war. Da liefen Menschen in Häftlingskostümen durch die Straßen, und Softwarepatente waren fast dem Untergang der Welt gleichgesetzt. Es gab aber auch Veranstaltungen wie der “Runde Tisch zu Softwarepatenten” im Bundesjustizministerium, mit der eisernen, präsidial thronenden Brigitte (Zypries). Das war dann zumindest teilweise absurd komisch. Was aber immer gleich war: Die besseren Argumente hatten und haben wir als Gegner der Patentierung nicht-technischer Erfindungen.

400.000 Menschen haben schließlich die EU-Petition unterschrieben, und dadurch konnte verhindert werden, das die ungesetzliche Praxis des Europäischen Patentamtes nachträglich legimiert wurde. Unterbunden werden konnte sie bis heute leider nicht, was die ganze Angelegenheit zu einem Schaustück der offenen Entdemokratisierung durch EU Lobbyismus werden lässt.

Der Vorgang ist immer noch anhängig, die Petition jedoch abgelaufen (ja, Bürgerpetitionen haben ein Haltbarkeitsdatum, Gesetzesvorlagen jedoch nicht). Also müssen wir wieder ran und unterschreiben. Macht das bitte !

Open Source = Ohne Krise durch die Krise

von: Elmar Geese | am: 22.12.2009 | Kommentare: 0

Jetzt ist das zweite Krisenjahr rum, zumindest kalendarisch. Und da fragt man sich zur Abwechslung mal, was man richtig gemacht hat. Warum hat es uns nicht getroffen ? Warum niemand aus dem Kreis unserer Freunde und Partner, was uns sehr freut? Gleichzeitig wissen wir natürlich, dass es einige Krisenopfer tatsächlich gibt und die Finanz- und Wirtschaftskrise kein Medienprodukt  ist. Im Gegenteil, fristen doch viele Publikationen ein hybrides Dasein: Jammern und Wehklagen auf den ersten 3 Seiten. Business-as-usual im Wirtschaft und Finanzteil. Mit Tipps wie man auf fallende Kurse spekuliert und damit Gewinn macht. Nichts gelernt…

Wir haben jedoch viel gelernt in diesem bald vergangenen Jahr. Wie man mit Wachstum umgeht, wie man von einer mittleren zu einer recht stattlichen IT Firma wird, von der inzwischen etwa 110 Leute leben können. Und wie man das schafft, ohne sein Herz oder seine Seele zu verkaufen. Wir sind froh, das wir es allen denen gezeigt haben, die gedacht haben, Open Source zu verbalisieren reicht, um den Wünschen der Kunden nach wirklicher Offenheit nachzukommen. Wir freuen uns auch (selbst wenn dies etwas bösartig klingen mag), das wir manchen VC getriebenen Unternehmensblasen vorgemacht haben, wie man mit OpenSource Geld verdient, ohne Open Source zu verraten.

Nachdem ich unserer tarent so auf die Schulter geschlagen habe, das es schon fast wehtut, will ich es für jetzt mal gut sein lassen mit salbungsvollen Worten, wie sie sich nun mal aufdrängen, wenn sich Kollege um Kollege in den Weihnachts- und Jahresruhestand verabschiedet. Mich persönlich (und einige mehr) zieht es nach Berlin, wo ein schöner CCC Kongress für uns hergerichtet wird. Dafür möchten wir allen, die dabei mithelfen jetzt schon mal danken. Wir sehen uns in Berlin !

Ist Freie Software moralisch?

von: Elmar Geese | am: 04.11.2009 | Kommentare: 0

Open Source und freie Software sind nicht ideologisch instrumentalisierbar, egal von welcher Seite. Rosa Luxemburg schrieb: “Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden”. Man kann den Einsatz von Freier Software bei militärischen Organisationen nicht verhindern, ohne die Freiheit von Freier Software zu beschädigen.

Nachdem ich im Blog des Linuxverbandes etwas über den OSS Einsatz im amerikanischen Verteidigungsministerium geschrieben hatte, kommentierte jemand

“Man macht Geschäfte mit allen, Hauptsache, die Software ist frei?
Egal, wer es macht, wofür er es macht und was es mit anderen macht?

Ich halte das, trotz meiner einleitenden Worte für einen nachvollziehbaren Standpunkt. Es klingt ja auch zynisch, wenn man davon ausgeht, das auch Open Source in Waffensystemen verwendet wird, dies als besonders gut zu bezeichnen. Also möchte ich noch etwa klarstellen.

Ich finde es nicht gut, das es überhaupt Waffen gibt. Ich möchte selber auch keine Lenksysteme für Atomraketen entwickeln. Aber ich weiss das es viele IT Systeme in äusserst sicherheitskritischen Einsatzfeldern gibt. Besonders beim Militär, weltweit. Die Ausgaben insgesamt 2008 werden auf 1.500 Milliarden US Dollar geschätzt. Dafür stehen bedauerlicherweise jede Menge Menschen, verschiedenste Maschinen und Transportmittel und vor allem Waffen im Feld. Menschen kommunizieren, Geräte werden gesteuert, Menschen werden getötet oder verwundet, überall ist auch Informationstechnologie im Einsatz.

Diese Software wird geschrieben, und die Hardware wird gebaut. Services werden geleistet. Wenn diese Technologie nicht auf Basis von Open Source Technologien implementiert wird, und somit vollständig angepasst und auditiert werden kann, gibt es keine ausreichende Sicherheit und Kontrolle. Man darf weder auf die Reparaturen eines einzelnen Herstellers, noch auf die Unprüfbarkeit von Backdoors in proprietären Systemen im Allgemeinen angewiesen sein.

In militärischen Systemen, die deutlich stärker von den Produktzyklen der Business oder gar Home Systeme entfernt sind, wird zudem ein Langzeitsupport benötigt, den proprietäre System nur deutlich teurer bereitstellen können. Und immer fehlt die Transparenz und Planungsicherheit. Die Systeme können nicht für den Einsatz maßgeschneidert werden. Dadurch werden überflüssige Risiken und Abhängigkeiten erzeugt.

Also denke ich: Wenn man schon Militär hat, ist es mir deutlich lieber, es verwendet Open Source, als das es sich proprietäre Lizenzen kauft. Es ist dann Entscheidung jedes Einzelnen, ob und an welcherart Projekte er sich beteiligen möchte. Man beurteilt da eine Kommunikationslösung vielleicht anders als ein Waffensteuerungssystem. Vielleicht auch Nicht. Ich gestehe jedem seine eigene Meinung dazu zu. Diese hier ist nur meine persönliche, nicht die des Linuxverbandes oder der tarent.

Die klügsten Männer der Welt

von: Elmar Geese | am: 28.08.2009 | Kommentare: 0

Auch wenn man den einen oder anderen persönlich kennt und auch mag, was sich da auf der OWF Konferenz in Paris im Oktober auf dem Panel versammelt um über “OPEN SOURCE COMMUNITIES: REDEFINING THE WHOLE SOFTWARE INDUSTRY” zu reden, hat mit Community sowas von gar nichts am Hut, das man sich ärgern könnte, wenn man nicht schon so abgestumpft wäre.
Dort reden: Nick Halsey, Open Solutions Alliance, Mike Milinkovich, Executive Director, Eclipse Foundation, Cedric Thomas, CEO, OW2 Consortiun, Sander Striker, Executive Vice-President, Apache Software Foundation, Jim Zemlin, CEO, Linux Foundation. Störend fällt mir natürlich auf, das Cedric als einziger Europäer dabei ist, als müsse man sich immer noch von Amerika die Welt erklären lassen. Vor allem aber ist wirklich niemand dabei, der irgendeinen Community Bezug hätte, als gäbe es Community nur dort, wo IBM (Apache, Eclipse) sie sponsorn.
Ich befürchte, das sind dieselben Leute, die auch behaupten die meisten Open Source Codes entstehen in Unternehmen. Das ist falsch. Vor allem aber ignoriert es einen wichtigen Umstand, der der wichtigste Faktor des OSS Erfolges ist: Open Source ist ein System, das aus dem Bedarf heraus Produkte und Projekte erzeugt. Die Industrie darf da mithelfen und mitmachen, ist aber niemals dominant. Als nächstgrößere Steuerungskraft nach OSS Entwicklern würde ich immer noch OSS Nutzer und Anwender sowie die Kunden der mittelständischen OSS Unternehmen sehen. Und dann erst kommen vielleicht die professionellen Besserwisser.

Canonical in the Cloud

von: Elmar Geese | am: 25.08.2009 | Kommentare: 0

Schön war es wieder auf der froscon, es gab einiges an interessanten Vorträgen, viele nette Leute und ein schönes, wenn auch maßvolles, social event. Die Keynote von Simon Wardley von Canonical war sehr gut und mit viel Humor vorgetragen, wenn sie auch gefiel liess sie jedoch jede eindeutige Aussage dazu vermissen, wie den Canonical durch das gepriesene Cloud Computing profitieren will.

Auch bei meiner Frage zur AGPL hielt sich Simon erst bedeckt, um dann mit der Aussage zu überraschen, die GPL wäre hervorragend für die kommerzielle OSS Welt geeignet, die AGPL aber für Serviceangebote untauglich. Hm. Aber immerhin weiss man nun, das Canical nicht die AGPL bevorzugen wird, auch wenn sie ihr Launchpad selbst unter diese Lizenz gestellt haben. Aber Launchpad steht sicherlich ausserhalb der Canonical Wertschöpfungskette.

Eher unklar in den Aussagen war es dennoch ein schöner Vortrag und gut vorgetragen.

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