Ich weiss gar nicht wie lange es schon her ist, das ich mich zum ersten Mal mit Softwarepatenten befasst habe. Ich kann mich noch deutlich an Demos am Rande des Linuxtages erinnern, als dieser noch in Karlsruhe war. Da liefen Menschen in Häftlingskostümen durch die Straßen, und Softwarepatente waren fast dem Untergang der Welt gleichgesetzt. Es gab aber auch Veranstaltungen wie der “Runde Tisch zu Softwarepatenten” im Bundesjustizministerium, mit der eisernen, präsidial thronenden Brigitte (Zypries). Das war dann zumindest teilweise absurd komisch. Was aber immer gleich war: Die besseren Argumente hatten und haben wir als Gegner der Patentierung nicht-technischer Erfindungen.
400.000 Menschen haben schließlich die EU-Petition unterschrieben, und dadurch konnte verhindert werden, das die ungesetzliche Praxis des Europäischen Patentamtes nachträglich legimiert wurde. Unterbunden werden konnte sie bis heute leider nicht, was die ganze Angelegenheit zu einem Schaustück der offenen Entdemokratisierung durch EU Lobbyismus werden lässt.
Der Vorgang ist immer noch anhängig, die Petition jedoch abgelaufen (ja, Bürgerpetitionen haben ein Haltbarkeitsdatum, Gesetzesvorlagen jedoch nicht). Also müssen wir wieder ran und unterschreiben. Macht das bitte !
Auch wenn man den einen oder anderen persönlich kennt und auch mag, was sich da auf der OWF Konferenz in Paris im Oktober auf dem Panel versammelt um über “OPEN SOURCE COMMUNITIES: REDEFINING THE WHOLE SOFTWARE INDUSTRY” zu reden, hat mit Community sowas von gar nichts am Hut, das man sich ärgern könnte, wenn man nicht schon so abgestumpft wäre.
Dort reden: Nick Halsey, Open Solutions Alliance, Mike Milinkovich, Executive Director, Eclipse Foundation, Cedric Thomas, CEO, OW2 Consortiun, Sander Striker, Executive Vice-President, Apache Software Foundation, Jim Zemlin, CEO, Linux Foundation. Störend fällt mir natürlich auf, das Cedric als einziger Europäer dabei ist, als müsse man sich immer noch von Amerika die Welt erklären lassen. Vor allem aber ist wirklich niemand dabei, der irgendeinen Community Bezug hätte, als gäbe es Community nur dort, wo IBM (Apache, Eclipse) sie sponsorn.
Ich befürchte, das sind dieselben Leute, die auch behaupten die meisten Open Source Codes entstehen in Unternehmen. Das ist falsch. Vor allem aber ignoriert es einen wichtigen Umstand, der der wichtigste Faktor des OSS Erfolges ist: Open Source ist ein System, das aus dem Bedarf heraus Produkte und Projekte erzeugt. Die Industrie darf da mithelfen und mitmachen, ist aber niemals dominant. Als nächstgrößere Steuerungskraft nach OSS Entwicklern würde ich immer noch OSS Nutzer und Anwender sowie die Kunden der mittelständischen OSS Unternehmen sehen. Und dann erst kommen vielleicht die professionellen Besserwisser.