Es heisst VIINI, wird mit “Riesling mit Kiessling” beworben und befindet sich nicht in der Wortspielhölle, sondern im “VIP Ost” Bereich der Bayarena zu Leverkusen. Dort geht es normalerweise um Fussball aber das ist anscheinend nicht so ganz das Ding von Bayer04 Geschäftsführer Holzhäuser. Der schreibt z.B. in der Stadionzeitung des vergangenen Wochenendes in seiner Rubrik “Auf einen Espresso” Elogen auf gute Umgangsformen, die den Fans abhanden gekommen seien. Wie sich der Event-Ästhet das Stadion der Zukunft vorstellt verrät uns die Bayer04 Website:
“Unser DJ legt auf, warme Farben und angenehmes Licht laden zum entspannten Talk mit Partnern und Kollegen ein.”
OK, die Musikbeschallung im Stadion ist heutzutage reichlich laut und manchmal nervig. Aber ein DJ, der Hintergrundgeräusche für den “entspannten Talk” liefert ist viel schrecklicher. Und wer will denn zum entspannten Talk ins Stadion kommen? “Warme Farben” und “12 verschiedene Weine, Sekt und Champagner im Ausschank” – bitte nicht.
VIINI ist ein Mißverständnis. Weinproben? Espresso? DJ? Berlin Mitte Ambiente? Falscher Ort, Falsche Botschaft. Schlechte Idee, Danke nein.
Es wäre keine Überraschung, wenn Lucien Favre zum Trainer des Jahres gewählt würde. Kaum ein Verein in der Liga (ausser vielleicht Bremen oder Wolfsburg) würde nicht gerne diesen Trainer verpflichten, Uli Hoeneß hat ihn auf der Liste, und sicherlich auch der ein oder andere Verein in Europa. Wohl dem, der sich leisten kann eine solchen Trainer rauszuwerfen: Michael Preetz, Manager bei Hertha BSC Berlin, kann das.
Markus Babbel, der immerhin mit dem Aufstieg von Hertha in die erste Liga einen Karrierehöhepunkt erreichen konnte, musste gehen, er darf sich jetzt das Hoffenheim Wappen auf die Haut tätowieren. Friedhelm Funkel musste vorher gehen, nun nach 5 Spielen Michael Skibbe. Alle diese Trainer hat der gleiche Mann geholt und wieder weggeschickt: Michael Preetz. Eine grossartige und einzigartige Leistung für einen Manager in der deutschen Bundesliga.
Wenn Preetz das bei der Hertha übersteht, muss man sich schon fragen, welche Leistungsprinzipien für Manager gelten. Nochmal: der Mann hat Favre rausgeworfen! Und schiesst jetzt dazu noch den Bock einen Trainer zu holen, ihn nach 5 Spielen rauszuwerfen, weil er eine Fehlbesetzung sei. Und lehnt jegliche persönliche Konsequenzen für seine selbst eingestandene Fehlentscheidung ab. Jetzt soll erstmal der U19 Trainer die Mannschaft betreuen, gegen Dortmund. Lustig. Hallo Hertha, ihr seid in der 1. Liga! Noch zumindest.
Einen Sieg jedoch traue ich Preetz zu, wenn auch nicht gegen den BVB. Im Kicker läuft eine Umfrage, wer denn schuld an der Misere in Berlin sei. Da hat er Chancen zu gewinnen. Nicht vergessen: der Mann hat Favre rausgeworfen.
Wie ist der Dietmar Hopp schon geschmäht worden in der deutschen Fussballwelt! Nachdem er einen Provinzverein in die 1. Liga hochgekauft hatte, ein Traditionslabel (“1899″) verpasst hatte und ein Stadion mit Autobahnauffahrt hingestellt, stellte er die Zeichen auf internationalen Wettbewerb. Druck aufbauen, Ziele setzen. So geht das. Oder auch nicht.
Irgendwann verliert Hopp die Geduld, der Spass ist teuer, und der Weg nach ganz oben ist lang. Trainer Rangnick, Architekt des Hoffenheimer Aufstiegs, muss gehen, zermürbt von Widerstand gegen den übermächtigen Patriarchen. Viel peinlicher für Hopp jedoch: sein Stadion wird mit einer Gegenschallanlage ausgestatttet um die Schmährufe der Dortmund Fans zu unterdrücken und diese selbst unter Schalldruck zu nehmen. Normalerweise ist sowas Aufgabe eigener Fans, aber in Ermangelung dieser muss halt Technik installiert werden. Glückerlicherweise für Hopp lässt sich die Mitwirkung des Vereins an der Anlage nicht beweisen. Der Imageschaden ist jedoch nicht wieder gutzumachen. Aber Image kann man in Hopps Welt ja mit Geld kaufen.
Hopp holt Holger Stanislawski vom FC St. Pauli, sicherlich nicht der renommierteste oder gar teuerste Trainer der Liga, aber mit guten Noten und hoher Emotionalität ausgestattet. Er soll dem synthetischen Verein ein Profil geben wie die “1899″ im Namen. Man zweifelt, das ihm das gelingen wird, auch wenn man dem sympathischen Trainer anderes wünschen möchte. Er bleibt ein Fremdkörper, mit seiner Ehrlichkeit und seiner direkten Art wirkt er vor der “1899″-Kulisse stets tragisch fehlbesetzt. Nicht weil er irgendetwas falsch macht, der Verein ist einfach noch nicht weit genug. Schnell wird klar: Zeit wird er nicht bekommen. Hopp macht das, was er kann: Druck.
Kann man ja auch irgendwie verstehen. Wenn ein Verein von eines einzigen Menschen Geld lebt ist es auch nur natürlich, das dieser auch nach Kräften mitregieren will. Geht ja schliesslich um sein Geld! Aber Freude macht das niemanden, sehen will das auch keiner. Jetzt kommt mit Markus Babbel jemand, der mit seinem merkwürdigen Berlinaustieg sicherlich kein Opfer in Hopps Welt werden wird, sondern eher Profiteur. Irgendwie findet sich so alles bestens zusammen.
Es wäre mal ein interessantes Experiment wenn Hoffenheim absteigen, Hopp die Lust verlieren und “1899″ Hoffenheim wieder verschwinden würde. Vielleicht lernt Hopp aber auch, das man Vereine heute nicht autokratisch führen kann, ausser man hat mehr Geld zur Verfügung, oder gibt sich mit unteren Ligen zufrieden. Beides trifft nicht auf Hopp zu. Mit Babbel hat er jetzt wenigstens den erfolgsfreien Trainer, den er verdient.
Die Bildzeitung fällt ja immer wieder mit schönen Volks-Aktionen auf. 99 sind es bis jetzt Meine Lieblingsinitiative ist eine wunderbare Medienaktion für uns als Volk die Demokratisierung im Fussball vorranzutreiben.
Der Plan: Matthias Sammer, der beim DFB nur nervt, soll zum HSV gelobt werden. Eine wirklich gute Idee. Die Kampagne läuft seit 2010, aber leider erst jetzt ist mit dem HSV ein möglicher Abnehmer gefunden worden, der bereit sein könnte Sammer zu nehmen. Das wäre großartig, denn dann wäre der Weg endgültig frei für Löw, die Kontrolle über die U21 zu behalten. Eigentlich sollte das sowieso selbstverständlich sein, vor hundert Jahren schon debütierte ein 17 Jähriger für Deutschland, und es gab schon immer A Nationalspieler, die deutlich jünger als 21 waren, wie schon Seeler oder Thon. Von der frühzeitigen Aufbauarbeit im Rahmen der U21 unter Kontrolle des Bundestrainers profitiert die Nationalmannschaft. Sammer verlor den Machtkampf schon im Sommer 2010, und daher hörte man auch nicht viel von ihm während der WM. Niemand wollte sich von Sammer nöliger Kritik den Spass verderben lassen, der sich zuhause lieber Jugendmannschaften ansah, als zum WM zu fahren. Krass. Da kann der Mann mit allem Komfort und auf Spesen zur WM, kann jedes Spiel sehen das er will, und er geht nicht hin. Unglaublich.
Und weil das alles so ist schreibt die Bild seit Dezember wieder verstärkt und mit gewissem Erfolg Sammer zum HSV. Allen Dementis zum Trotz. Dafür kann man nur dankbar sein und alles Gute wünschen. Mist, dass Sammer so teuer ist, aber vielleicht findet sich ja jemand, der schon aus Boshaftigkeit bereit ist, dem HSV das Geld zu geben. Oder Bild initiert eine Spendenkampagne oder ein Volksbegehren. Ich hoffe es so sehr ! Und jetzt gehts ins Stadion zu Bayer gegen Dortmund. Mit Klopp, ohne Sammer. Wie schön.
Update 18.1.2011: Es gibt Hoffnung !
|