Jetzt ist das zweite Krisenjahr rum, zumindest kalendarisch. Und da fragt man sich zur Abwechslung mal, was man richtig gemacht hat. Warum hat es uns nicht getroffen ? Warum niemand aus dem Kreis unserer Freunde und Partner, was uns sehr freut? Gleichzeitig wissen wir natürlich, dass es einige Krisenopfer tatsächlich gibt und die Finanz- und Wirtschaftskrise kein Medienprodukt ist. Im Gegenteil, fristen doch viele Publikationen ein hybrides Dasein: Jammern und Wehklagen auf den ersten 3 Seiten. Business-as-usual im Wirtschaft und Finanzteil. Mit Tipps wie man auf fallende Kurse spekuliert und damit Gewinn macht. Nichts gelernt…
Wir haben jedoch viel gelernt in diesem bald vergangenen Jahr. Wie man mit Wachstum umgeht, wie man von einer mittleren zu einer recht stattlichen IT Firma wird, von der inzwischen etwa 110 Leute leben können. Und wie man das schafft, ohne sein Herz oder seine Seele zu verkaufen. Wir sind froh, das wir es allen denen gezeigt haben, die gedacht haben, Open Source zu verbalisieren reicht, um den Wünschen der Kunden nach wirklicher Offenheit nachzukommen. Wir freuen uns auch (selbst wenn dies etwas bösartig klingen mag), das wir manchen VC getriebenen Unternehmensblasen vorgemacht haben, wie man mit OpenSource Geld verdient, ohne Open Source zu verraten.
Nachdem ich unserer tarent so auf die Schulter geschlagen habe, das es schon fast wehtut, will ich es für jetzt mal gut sein lassen mit salbungsvollen Worten, wie sie sich nun mal aufdrängen, wenn sich Kollege um Kollege in den Weihnachts- und Jahresruhestand verabschiedet. Mich persönlich (und einige mehr) zieht es nach Berlin, wo ein schöner CCC Kongress für uns hergerichtet wird. Dafür möchten wir allen, die dabei mithelfen jetzt schon mal danken. Wir sehen uns in Berlin !
Open Source und freie Software sind nicht ideologisch instrumentalisierbar, egal von welcher Seite. Rosa Luxemburg schrieb: “Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden”. Man kann den Einsatz von Freier Software bei militärischen Organisationen nicht verhindern, ohne die Freiheit von Freier Software zu beschädigen.
Nachdem ich im Blog des Linuxverbandes etwas über den OSS Einsatz im amerikanischen Verteidigungsministerium geschrieben hatte, kommentierte jemand
“Man macht Geschäfte mit allen, Hauptsache, die Software ist frei?
Egal, wer es macht, wofür er es macht und was es mit anderen macht? …“
Ich halte das, trotz meiner einleitenden Worte für einen nachvollziehbaren Standpunkt. Es klingt ja auch zynisch, wenn man davon ausgeht, das auch Open Source in Waffensystemen verwendet wird, dies als besonders gut zu bezeichnen. Also möchte ich noch etwa klarstellen.
Ich finde es nicht gut, das es überhaupt Waffen gibt. Ich möchte selber auch keine Lenksysteme für Atomraketen entwickeln. Aber ich weiss das es viele IT Systeme in äusserst sicherheitskritischen Einsatzfeldern gibt. Besonders beim Militär, weltweit. Die Ausgaben insgesamt 2008 werden auf 1.500 Milliarden US Dollar geschätzt. Dafür stehen bedauerlicherweise jede Menge Menschen, verschiedenste Maschinen und Transportmittel und vor allem Waffen im Feld. Menschen kommunizieren, Geräte werden gesteuert, Menschen werden getötet oder verwundet, überall ist auch Informationstechnologie im Einsatz.
Diese Software wird geschrieben, und die Hardware wird gebaut. Services werden geleistet. Wenn diese Technologie nicht auf Basis von Open Source Technologien implementiert wird, und somit vollständig angepasst und auditiert werden kann, gibt es keine ausreichende Sicherheit und Kontrolle. Man darf weder auf die Reparaturen eines einzelnen Herstellers, noch auf die Unprüfbarkeit von Backdoors in proprietären Systemen im Allgemeinen angewiesen sein.
In militärischen Systemen, die deutlich stärker von den Produktzyklen der Business oder gar Home Systeme entfernt sind, wird zudem ein Langzeitsupport benötigt, den proprietäre System nur deutlich teurer bereitstellen können. Und immer fehlt die Transparenz und Planungsicherheit. Die Systeme können nicht für den Einsatz maßgeschneidert werden. Dadurch werden überflüssige Risiken und Abhängigkeiten erzeugt.
Also denke ich: Wenn man schon Militär hat, ist es mir deutlich lieber, es verwendet Open Source, als das es sich proprietäre Lizenzen kauft. Es ist dann Entscheidung jedes Einzelnen, ob und an welcherart Projekte er sich beteiligen möchte. Man beurteilt da eine Kommunikationslösung vielleicht anders als ein Waffensteuerungssystem. Vielleicht auch Nicht. Ich gestehe jedem seine eigene Meinung dazu zu. Diese hier ist nur meine persönliche, nicht die des Linuxverbandes oder der tarent.
Das Weisse Haus stellt auf Open Source um und erklärt auch warum. Die Motive sind
- Sicherheit
- Skalierbarkeit
- Innovation
Die Site des Weissen Hauses ist ein strategisch wichtiges Kommunikationswerkzeug. Es scheint schon fast überflüssig, dies bei einem Präsidenten wie Obama zu erwähnen. Der Einsatz moderner webbasierter Kommunikationskonzepte hatte Obama im Wahlkampf den entscheidenen Vorteil gebracht. Seitdem wurde er oft kopiert, aber nie erreicht.
Was Obamas Medienberatern und sicherlich auch ihm selber imponiert ist die Macht, die Anwendungen wie Facebook haben. Jetzt braucht er mehr von dem was er auf Facebook nicht machen kann. Der Einsatz von Open Source Technologien bei Facebook ist Vorbild für den Wandel im Weißen Haus. Um viele Millionen Anwender zu bedienen braucht man eine Kombination aus Steuerung sowie Dynamik und freiem Fluss eines sozialen Netzwerkes. Ziel ist Politmarketing und Partizipation.
Obamas Kommunikation führt in die Publikumsplattformen wie Facebook, YouTube und MySpace hinein. Seine Kampaignerhaben nicht mit der Wahl aufgehört. Auch wenn es ernüchternde Erkenntnisse zur politischen Erneuerung der USA gibt, unter dem Aspekt der Kommunikation ist es immer noch Obama der den Standard neu definiert hat. Ich bin sicher, dass er dafür historische Anerkennung erfahren wird, mehr als für den aiuch ihn selbst irritierenden Friedensnobelpreis. Denn diese Anerkennung bekommt er zu Recht. Erfreulich das Open Source die Basis dieses fortlaufenden Projekts ist, das heute schon die Teilhabe der Menschen unserer Zeit und Kultur an Politik verändert hat
siehe dazu auch im Spiegel: Das Weiße Haus stellt auf Open Source um
Auch wenn man den einen oder anderen persönlich kennt und auch mag, was sich da auf der OWF Konferenz in Paris im Oktober auf dem Panel versammelt um über “OPEN SOURCE COMMUNITIES: REDEFINING THE WHOLE SOFTWARE INDUSTRY” zu reden, hat mit Community sowas von gar nichts am Hut, das man sich ärgern könnte, wenn man nicht schon so abgestumpft wäre.
Dort reden: Nick Halsey, Open Solutions Alliance, Mike Milinkovich, Executive Director, Eclipse Foundation, Cedric Thomas, CEO, OW2 Consortiun, Sander Striker, Executive Vice-President, Apache Software Foundation, Jim Zemlin, CEO, Linux Foundation. Störend fällt mir natürlich auf, das Cedric als einziger Europäer dabei ist, als müsse man sich immer noch von Amerika die Welt erklären lassen. Vor allem aber ist wirklich niemand dabei, der irgendeinen Community Bezug hätte, als gäbe es Community nur dort, wo IBM (Apache, Eclipse) sie sponsorn.
Ich befürchte, das sind dieselben Leute, die auch behaupten die meisten Open Source Codes entstehen in Unternehmen. Das ist falsch. Vor allem aber ignoriert es einen wichtigen Umstand, der der wichtigste Faktor des OSS Erfolges ist: Open Source ist ein System, das aus dem Bedarf heraus Produkte und Projekte erzeugt. Die Industrie darf da mithelfen und mitmachen, ist aber niemals dominant. Als nächstgrößere Steuerungskraft nach OSS Entwicklern würde ich immer noch OSS Nutzer und Anwender sowie die Kunden der mittelständischen OSS Unternehmen sehen. Und dann erst kommen vielleicht die professionellen Besserwisser.
Schön war es wieder auf der froscon, es gab einiges an interessanten Vorträgen, viele nette Leute und ein schönes, wenn auch maßvolles, social event. Die Keynote von Simon Wardley von Canonical war sehr gut und mit viel Humor vorgetragen, wenn sie auch gefiel liess sie jedoch jede eindeutige Aussage dazu vermissen, wie den Canonical durch das gepriesene Cloud Computing profitieren will.
Auch bei meiner Frage zur AGPL hielt sich Simon erst bedeckt, um dann mit der Aussage zu überraschen, die GPL wäre hervorragend für die kommerzielle OSS Welt geeignet, die AGPL aber für Serviceangebote untauglich. Hm. Aber immerhin weiss man nun, das Canical nicht die AGPL bevorzugen wird, auch wenn sie ihr Launchpad selbst unter diese Lizenz gestellt haben. Aber Launchpad steht sicherlich ausserhalb der Canonical Wertschöpfungskette.
Eher unklar in den Aussagen war es dennoch ein schöner Vortrag und gut vorgetragen.
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